Social Business

Veröffentlicht auf von Caro Caballo

 

 

 

 Social Business 
Oder wie die Unternehmer ihr soziales Gewissen entdecken.

Auf der Konferenz Vision Summit 2008 haben die Vorstände und Manager ihr soziales Gewissen wiedergefunden. Nur mit veränderten unternehmerischen Denken seien die Lebensbedingungen in den Entwicklungsländern zu verbessern wird da verkündet.

Das veränderte unternehmerische Denken soll zu mehr gesellschaftlicher Verantwortungsübernahme bei den Unternehmern führen und ein Gegenkonzept zur Gewinnmaximierung um jeden Preis sein. Die gewissenlose Gewinnmaximierung um jeden Preis, ohne Rücksicht auf Menschenrechte in der die Gewinne privatisiert werden während die Verluste sozialisiert werden, hat große Teile der Bevölkerung geradezu in die Armut getrieben und die Welt an den Rand einer Wirtschaftlichen Rezession. Deshalb soll jetzt alles anders werden. 

Von einer neuen Unternehmergeneration ist da die Rede. Eine Unternehmergeneration mit sozialer Verantwortung. Nur wo diese neue Unternehmergeneration herkommen soll, das weiß wohl keiner so genau.

Heroische Ziele und Träume die weiter von der Realität entfernt sind als der Planet Pluto von der Erde und der ist bekanntlich der Planet der von der Erde am weitesten entfernt ist. 
Es ist lobenswert die Lebensbedingungen in den Entwicklungsländern zu verbessern, unabhängig davon, dass sie im eigenen Land immer schlechter werden, da kann man ja nichts für, daran sind ja die anderen Schuld.

Die gleichen Unternehmen die plötzlich ihr soziales Gewissen entdecken, haben keine Probleme mit einem Leiharbeitnehmeranteil von über 30% in ihren Produktionsbetrieben. Sie haben keine Probleme eigene Leiharbeitsfirmen zu gründen und feste Arbeitsplätze mit Kündigungsschutz in Leiharbeitsverhältnisse umzuwandeln. 

Was soll der Leiharbeiter davon halten, wenn er einerseits von dieser lobenswerten Absicht zu mehr sozialer Verantwortung hört, während er kurz vorher erfährt, dass die gleichen Vorstände einen Eintrag im Handelsregister beschlossen haben, der es Ihnen ermöglicht eine eigene Leiharbeitsfirma zu betreiben. Unsichere und schlechte Zeiten sowie die Globalisierung rechtfertigen jede soziale Ungerechtigkeit, auch Verstöße gegen Artikel 23 der Menschenrechte. Und dann reden die gleichen Leute von Social Business.

Es sind die gleichen Unternehmer die Kündigungsschutz und Menschenrechte dem Wettbewerb opfern, die eine 3-Klassen Gesellschaft in ihren Betrieben geschaffen haben. 

Aufgrund ihrer miserablen Löhne zahlen die Leiharbeiter minimale Beiträge in die Renten- und Sozialversicherungen ein, für die Fehlbeträge kommen dann alle Steuerzahler auf.
Ver-und Entleiher sind die Profiteure, die Verlierer sind die Leiharbeiter und sie sind die Hartz IV –Empfänger von morgen.

Stellt man sich so die soziale Verantwortung vor?

Solange so argumentiert wird, dass ein Mitarbeiter mit Jahresvertrag ja arbeitslos wird, wenn es schlecht läuft und er nicht übernommen werden kann, während ein Leiharbeitnehmer ja einfach nur weitervermittelt wird, solange können wir weiter träumen von der sozialen Verantwortung. Das Unternehmen schickt die Leiharbeitnehmer in schlechten Zeiten zum Verleiher zurück, damit wäscht es seine Hände in Unschuld, denn es muss ja niemand entlassen. Den schwarzen Peter haben dann die Verleihfirmen, die ihre Leute entlassen, wenn sie keine Folgeaufträge mehr haben.

Denn Arbeitnehmerüberlassungsfirmen sind erst Recht keine Sozialinstitute, sie handeln mit der Ware Mensch. Wenn sie keine Folgeaufträge haben ist der Leiharbeitnehmer ganz schnell wieder bei der Arbeitsagentur, nur das er dann von seinem mickrigen letzen Lohn sein ALG 1 bezieht. 

Wer Leiharbeit mit Engelszungen schön reden will, führt die hochgelobte neue soziale Verantwortung und das neu entdeckte Unternehmergewissen ad absurdum. Soviel Scheinheiligkeit und Zynismus machen mich einfach nur sprachlos. Ich fürchte auf die neue Unternehmergeneration werden wir so lange warten müssen, bis uns der Planet Pluto auf den Kopf fällt. Eines ist auf jeden Fall bei diesem Kongress herausgekommen, eine wunderschöne neue Wortschöpfung „Social Business“ und eine weitere Luftblase die kein Mensch braucht, die sich in den Medien aber wunderbar macht. 

Unter dem Begriff Social Business setzte der Gründer der Kleinkreditbank Grameen, Prof. Muhammad Yunus, nach der Entgegennahme des Friedensnobelpreises einen neuen weltweiten Impuls zur intelligenten und erfolgreichen Verknüpfung von Wirtschaft und der Lösung sozialer Probleme. Die Kleinkreditbank Grameen vergab Kleinkredite an sozial Schwache die bei keiner Bank mehr Kreditwürdig waren. 

Ich möchte die Verdienste von Prof. Muhammad Yunus nicht schmälern und er hat den Preis in der Tat auch verdient, nur die Manager die sich in seinem Schatten sonnen und sich medienwirksam mit ihm ablichten lassen sind die gleichen die täglich gegen die Menschenrechte verstoßen, es sind die gleichen die ihre Belegschaften in Mitarbeiter 1er, 2 er und 3er Klasse spalten. 






 

 

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Veröffentlicht in Alles was Recht ist

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